Ein schloss - 6 positionen: künstlerische perspektiven

Die Gruppenausstellung im Schloss Siegmundsried vereint sechs herausragende Tiroler Künstler*innen mit nationaler und internationaler Präsenz. Entdecken Sie skulpturale Arbeiten, emotionale und experimentelle Malerei sowie mediale Raumkonzepte, die neue Perspektiven auf Material, Wahrnehmung und die Rolle der Kunst in einer sich wandelnden Welt eröffnen.

Künstlerstatement – Roland Siegele

Mein künstlerischer Ansatz ist von Experimentlust und körperlicher Direktheit geprägt. Farbe und Form dienen mir als Werkzeuge, um spontane Energie und innere Impulse sichtbar werden zu lassen. Im Arbeitsprozess suche ich nicht nach Harmonie oder Kontrolle, sondern nach Wahrheit im Moment.
Die Bilder entstehen aus einem Zusammenspiel von Zufall, Intuition und bewusster Setzung. Ich möchte jenen Punkt erreichen, an dem das Bild eine eigene Kraft entwickelt – ungebändigt, roh, lebendig. Meine Arbeiten sind Spuren von Bewegung, Emotion und Risikobereitschaft.

Künstlerstatement – Manfred Hellweger

Meine skulpturalen Arbeiten entstehen aus dem Bedürfnis, die Essenz von Form sichtbar zu machen. Reduktion ist dabei kein ästhetischer Selbstzweck, sondern ein Weg, innere Ordnungen freizulegen. Mich beschäftigt der Moment des Übergangs – das Fragile zwischen Werden und Vergehen, Präsenz und Abwesenheit.
Ich arbeite mit Materialien, deren Eigenlogik und Widerstand meine Entscheidungen prägen. Der Dialog zwischen Hand, Material und Raum führt zu Objekten, die zugleich still und energetisch aufgeladen wirken. Meine Skulpturen verstehen sich als konzentrierte Verdichtungen: Orte, an denen Leere zu Bedeutung wird und Stille Resonanz erzeugt.

Künstlerstatement – Simon Hafele

Meine Malerei bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Emotion, Intuition und Transzendenz. Mich interessiert der Zustand hinter dem Sichtbaren: Atmosphären, die nur in Andeutungen existieren, Gefühle, die sich einer eindeutigen Sprache entziehen.
Farbe ist für mich ein autonomes Medium, das Stimmungen trägt und emotionale Resonanz erzeugt. Im Malprozess lasse ich mich bewusst auf Unvorhersehbarkeit ein – Schichtungen, Überlagerungen und spontane Eingriffe führen zu Bildern, die wie Fenster in andere Erfahrungsräume wirken. Meine Arbeiten verstehen sich als Einladungen, das Unsagbare mit den Augen zu berühren.

Künstlerstatement – Sandra Brugger

In meinem künstlerischen Prozess steht das Material im Zentrum – nicht als bloßer Werkstoff, sondern als Träger von Erinnerungen, Symboliken und spirituellen Dimensionen. Ich suche nach Momenten, in denen Stofflichkeit und innerer Zustand ineinanderfließen.
Das Arbeiten in meditativer Konzentration erlaubt es mir, Formen zu entwickeln, die Ruhe, Verbundenheit und Klarheit ausstrahlen. Jede Arbeit ist ein Versuch, nach innen zu lauschen und diesen inneren Raum sichtbar, fühlbar und zugänglich zu machen. Meine Werke laden dazu ein, innezuhalten und sich auf ein kontemplatives Wahrnehmungserlebnis einzulassen.

Künstlerstatement – Arche Goah

Wir entwicklen installative Räume, die Betrachterinnen nicht nur aufnehmen, sondern aktiv einbeziehen. Raum ist für uns kein neutraler Hintergrund, sondern ein lebendiges Medium, das Erfahrungen formt und körperliche Präsenz erfordert.
Unsere Arbeiten eröffnen Situationen, in denen Wahrnehmung neu ausgelotet wird – durch Material, Licht, Klang oder Bewegung. Wir suchen nach räumlichen Atmosphären, die Menschen dazu einladen, sich zu öffnen, zu reagieren, sich selbst im Raum neu zu verorten. Die Grenze zwischen Werk und Besucherin wird dabei bewusst durchlässig: Kunst wird zu einem gemeinsam erlebten Moment.

Künstlerstatement – Helmut Siegele

Ich richte meinen Blick auf unscheinbare, leise Momente des Alltags – jene kleinen Beobachtungen, die oft übersehen werden und doch eine unerwartete Zartheit oder Poesie in sich tragen. In meinem künstlerischen Prozess geht es darum, solche Fragmente herauszulösen und ihnen Raum zu geben.
Meine Arbeiten entstehen aus einer Haltung der Aufmerksamkeit: dem genauen Hinsehen, dem Zulassen von Zufall und dem Vertrauen in die Kraft kleiner Gesten. Ich möchte das Verborgene sichtbar machen und zeigen, wie reich die vermeintlich einfachen Dinge sind. Kunst wird für mich zu einem Ort, an dem das Gewöhnliche zu leuchten beginnt.